1999 habe ich für die Zeitschrift “Der Hund” ein Rasseporträt über den Tibet Terrier geschrieben. Vieles wird Ihnen beim Lesen bekannt vorkommen, denn auch ich konnte (und wollte) diese Rasse nicht neu erfinden. Aber es gibt Ihnen ein Bild über den Tibet Terrier, so wie ich ihn sehe:
Der Tibet Terrier ist eine uralte Hunderasse, denn schon vor über tausend Jahren sollen diese Hunde in den Klöstern und Dörfern Tibets gezüchtet worden sein. Seine Heimat sind die Berge und das Hochplateau Tibets, mit einer durchschnittlichen Höhenlage von 4500m auch das Dach der Welt genannt. In dieser Höhe herrschen extreme klimatische Bedingungen. Eisige Winter wechseln ab mit kurzen heißen Sommern. Weite Landstriche sind dürr, und scharfe Winde fegen über das Land. Mensch und Tier mussten sich diesen harten Lebensbedingungen anpassen. Daher ist unser Tibet Terrier sehr robust, ursprünglich und widerstandsfähig.
Der Tibet Terrier ist ein gesund konstruierter Hund von mittlerer Größe ohne jegliche Übertreibungen. Sein Körper ist von quadratischer Silhouette, kräftig und muskulös, aber nicht schwerknochig. Dies ermöglicht diesem Hund, sich kraftvoll und doch beinahe mühelos zu bewegen. Gleichzeitig zeichnet ihn eine unglaubliche Wendigkeit aus. So ist er ein idealer und ausdauernder Begleiter auf Spaziergängen oder auf langen Wanderungen. Ist er unangeleint, werden Sie sein Temperament und seine Lebenslust beobachten können. Der Tibet Terrier besitzt in seinem äußeren Erscheinungsbild auch einige unverwechselbare, ihn so typisch machende Besonderheiten, die sich alle erklären lassen in seiner Anpassung an die rauen Bedingungen seiner Heimat.
Beginnen möchte ich mit seinen Augen, sie sind rund geformt und bemerkenswert groß. Sie blicken intensiv und ausdrucksstark. Das lange Kopfhaar, welches über die Augen fällt, wird von den langen Wimpern vom Augapfel ferngehalten und bringt den so wichtigen Schutz des Auges vor den ständig auftretenden, heftigen Sandstürmen Tibets. In unseren Breiten ist diese Schutzfunktion natürlich nicht notwendig, deshalb schneiden wir ihm oft einen kurzen Pony oder binden das Haar zu einem dicken Zopf zusammen. Aber Vorsicht, so sind sie unwillkürlich diesen wundervollen und zugleich energischen, nicht nachgebenden Blicken ausgesetzt, und so gelingt es diesen Wesen, all unsere guten Erziehungsvorsätze in nichts aufzulösen…!
Doch er kann mit seinen Augen noch mehr: Da sie recht weit auseinander stehen, geben sie dem Hund einen viel besseren Gesichtskreis, als es normalerweise der Fall ist. So konnte er seine ursprüngliche Aufgabe als kleiner Wächter gut erfüllen. Und so steht er erhobenen Hauptes, die Nase in den Wind gestreckt und bewacht sein Haus.
Von seiner Funktion als Wächter ist ihm das Bellen erhalten geblieben, was sich in einem kurzen, aber kräftigen Anschlagen bei ungewohnten Geräuschen äußert. Er tut es aber auch in freudiger Erwartung, wenn es zum Autofahren geht, bei der Aufforderung zum Spiel oder für ein Leckerchen.
Das doppelschichtige Haarkleid ist natürlich unabdingbar. Kein Hund würde in den kalten Landstrichen ohne diesen Schutz überleben. Die Unterwolle ist fein und wollig, das Deckhaar lang und üppig und weist eine feine Struktur auf. Es darf gerade oder gewellt sein, aber nicht lockig und von seidiger oder wolliger Struktur. Es gibt den Tibet Terrier in allen Farben und Farbkombinationen, die für die Zucht alle erlaubt sind mit Ausnahme von schokoladen- oder leberbraun. Um sich an seinem attraktiven Äußeren immer zu erfreuen, ist natürlich eine gewisse Zeit, ca. ein bis zwei Stunden pro Woche, für die Pflege seines langen Haares erforderlich. Der Junghund muss zweimal wöchentlich, der erwachsene Hund nur noch einmal pro Woche gekämmt werden. Regelmäßigkeit und Gründlichkeit sind dabei die wichtigsten Dinge! Erlaubt es die Zeit einmal nicht, die Haarpflege regelmäßig zu machen, rate ich zu einem flotten Kurzhaarschnitt, dies lässt den Tibet Terrier frech aussehen und ist tausendmal besser als ein verfilzter Hund.
Der Tibet Terrier verfügt über viele einnehmende Wesenszüge, er ist lebhaft, intelligent, gutmütig, wachsam und mutig. Aber einer seiner Stärken liegt in seiner Anpassungsfähigkeit. Ob als treuer Kamerad für eine allein stehende Person, als Begleiter für sportlich Aktive oder als bester Freund für unsere Kinder – in den Verhaltensweisen des erwachsenen Tibet Terrier spiegelt sich die Lebensweise seiner Familie wieder.
Aber er ist trotzdem nicht einfach “Boomer” oder “Benji”, wie wir die kleinen zotteligen Stromer aus den Fernsehfilmen kennen! Denn der Tibet Terrier besitzt die den asiatischen Rassen so unverwechselbaren Charakterzüge. Auch er ist ein kleiner Aristokrat, voll Stolz und Würde, und doch so sensibel. Er kann sich nur entfalten, wenn er als gleichwertiger Partner in der Familie integriert wird. Unterwürfigkeit kennt er nicht; wollen Sie ihm Ihren Willen aufzwingen, wird er nur mit Sturheit reagieren und Sie erreichen nichts. Er tut nichts, was für ihn keinen Sinn macht. Und seine Intelligenz wird Sie ein Leben lang immer wieder neu fordern und überraschen.
Die starke Verbindung des Tibet Terriers zu seinen Besitzern steht im Gegensatz zu ihrer anfänglichen Zurückhaltung Fremden gegenüber. Es dauert eine gewisse Zeit, bis er neue Freunde voll akzeptiert, dann aber für immer! Die Vielzahl seiner liebenswerten Charaktereigenschaften macht den Tibet Terrier zu etwas Besonderen für seinen Besitzer. Er ist der richtige Hund für Menschen, die bereit sind einen “Big Deal” einzugehen, gegenseitig Liebe zu geben und zu empfangen.
Und wie lang lebt ein Tibet Terrier?
Niemals, niemals lang genug…
Im Jahr 2005 habe ich im Selbstverlag die Publikation “World of Tibetan Terriers” (WOTT) herausgegeben. Das darin enthaltene Rasseportrait ist deutlich umfangreicher und detaillierter. Und natürlich finden sich viele Artikel zu den verschiedensten Themen rund um unsere Tibet Terrier darin wieder. Wer also gern mehr erfahren möchte, kann diese Publikation über die WOTT-HP oder direkt bei mir bestellen.
